Ohne Resilienz in der Tretmühle festhängen; Oder: Warum Günther seiner Chefin Glück wünscht

Coachinggespräch

Der Stress begann am Morgen, als Günther die Kinder wegen eines Staus zu spät in der Schule ablieferte. Die erste halbe Stunde der Montagmorgen-Sitzung hat er auch versäumt und tadelnde Blicke der Vorgesetzten eingesteckt. Als er die Kreditanfrage eines Kunden ablehnen musste, spürt er wieder diesen bohrenden Schmerz im Magen, der ihn nun seit mehreren Wochen begleitet.

Eigentlich sollte er zum Arzt gehen. Aber nach der Arbeit ist er meist zu erschöpft und froh, endlich nachhause zu kommen, die Türe hinter sich zu schließen und zu entspannen. Soweit das in einer Familie mit zwei lebhaften Kindern und einer Katze möglich ist. Das Haus ist noch nicht abbezahlt und die Reparatur des defekten Ölbrenners reißt ein tiefes Loch in das Jahresbudget.

„Eigentlich müsste es mir doch gutgehen“, denkt Günther. „Ich habe eine wunderbare Familie, lebe in einem Haus mit Garten am Stadtrand und meine Arbeit wird gut bezahlt. Warum fühle ich mich oft abgeschlagen und habe das Gefühl, keine Energie und Lebensfreude zu haben?“

… Günther entscheidet sich, ein Coaching, das vom Unternehmen angeboten wird, in Anspruch zu nehmen…

Als der Coach mit ihm die Resilienzfaktoren mittels Resilienz-Radar analysiert, ist er überrascht. Gerade bei den Faktoren „Zielorientierung“ und „Selbstverantwortung“ erzielt er am wenigsten Punkte. Gerade ER, der alles penibel plant, der „Finanzminister“ im Hause. Auch im Unternehmen muss er ständig Zielvorgaben erreichen. Das kann nicht sein, dass gerade diese Faktoren seine Schwachstellen sein sollen.

Doch die Fragen des Coaches machen ihn nachdenklich:

„Wenn Ihre Magenschmerzen Ihnen etwas sagen wollten, was könnte das sein?“

„Was war bisher die schwierigste Zeit in Ihrem Leben und wie haben Sie diese gemeistert?“

Günther erzählt vom überraschenden Tod seines Vaters vor 15 Jahren. Zu dieser Zeit war er noch Student und lebte zuhause. Sein Vater verabschiedete sich von ihm, ging zur Türe hinaus und kam eine halbe Stunde später bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Er hatte seinen Vater geliebt, der Vorbild und große Stütze für den Sohn war. Das Ereignis war so schrecklich, der Schock so groß, dass er Schmerz und Kummer über den plötzlichen Verlust in sich verschloss. Bloß nicht daran denken. Er zog von zuhause aus, schloss sein Studium ab, fand einen guten Job in der Bank, lernte seine Frau kennen, heiratete und nacheinander kamen zwei Kinder.

Als der Coach ihn in die Situation zurückführt, in der er sich von seinem Vater verabschiedet, mit dem Wissen von heute, dass er ihn nicht wiedersehen wird, kommen die unterdrückten Gefühle an die Oberfläche und Tränen fließen.

Der Coach fragt, ob Günther seinem Vater gerne noch etwas gesagt hätte und dieser findet Worte des Dankes und der Liebe.

Die Abschlussintervention des Coaches lautet:

„Stellen Sie sich vor, Ihr Vater würde Sie jetzt sehen (von wo aus auch immer), so wie Sie im Leben stehen. Mit Ihrer Frau, Ihren Kindern, Ihrem Erfolg im Beruf. Was würde er Ihnen sagen?“

Günther: „Er würde sagen: „Ich bin stolz auf dich.““

Genau.

Was hat dies nun mit den Resilienzfaktoren „Zielorientierung“ und „Selbstverantwortung“ in Günthers Leben zu tun?

Die verdrängten Gefühle von Trauer und der nicht vollzogene Abschied vom Vater erzeugten in Günther einen Mangel an Lebensfreude. Er war, trotz vieler positiver Elemente in seinem Leben, nicht in der Lage seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Es war ihm gar nicht aufgefallen, dass er sich keine Ziele mehr gesteckt und sein Leben nur mehr bewältigt und nicht mehr tatkräftig gestaltet hatte.

Jene Energie, die er unbewusst täglich benötigte, um die unterdrückte Trauer nicht zu spüren, stand nach dem Coachingprozess nun plötzlich zur Verfügung. Und er nutzte sie. Zuerst für kleine Dinge: Er fing wieder an, regelmäßig Sport zu treiben. Er lachte öfter und von Herzen. Er nahm schöne Augenblicke bewusst wahr und genoss das Zusammensein mit seiner Familie.

Er arbeitete weiter an der Stärkung seiner Resilienz und eignete sich im Coaching Methoden für die innere Ruhe und Entspannung an. Seine Magenschmerzen traten nicht mehr auf.

Vom Coach gefragt, ob seine Geschichte in einem Blogartikel verwendet werden dürfe, antwortet Günther: „Ja, natürlich. Und ich gebe gerne noch einen Tipp, sozusagen meine Lieblingsübung, weiter.“

Hier jene Übung, die Günther empfiehlt und die sich „Kraft der liebevollen Güte nennt“:

„Wählen Sie sich jeden Tag willkürlich zwei bis drei Personen aus, denen Sie in Gedanken Glück wünschen. Das wars. Tun Sie nichts, sagen Sie nichts, denken Sie nur. Es handelt sich also um eine reine Denkübung, die höchstens 10 Sekunden pro Person dauert. Diese Übung mit einem kleinen Lächeln im Gesicht beenden und das Gefühl dazu im eigenen Körper spüren. Was Sie in diesem Moment spüren, ist die Freude, die aus der achtsamen Güte erwächst. Es kann nämlich sehr befriedigend sein, einen gütigen Gedanken auf eine andere Person zu richten. Und gleichzeitig speichert das Gehirn diesen positiven Reflex auch im eigenen System ab und auch hier wirkt er fördernd und heilend.“

Mehr Infos zum Thema Resilienz gibt es bei unseren Ausbildungen Resilienz Practitioner und Dipl. Resilienz Trainer, sowie im Balance Business-Bereich.


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