Unsicherheit und Angst: Was Coaches und BeraterInnen tun können

Unsicherheit und Angst

Frau R., eine Coaching-Kundin, steht vor einer wichtigen Entscheidung in ihrer Funktion als Führungskraft. Sie hat mögliche Handlungsoptionen durchgedacht, den Ressourceneinsatz besprochen, die Konsequenzen, soweit vorhersehbar, einbezogen –  ihre Risiken somit minimiert. Der Punkt, ihre Entscheidung zu treffen, ist nun gekommen. Doch etwas hält sie zurück. Ein Gefühl, nur schwer beschreibbar, und noch schwieriger zu benennen. Weil es dieses Gefühl nach rationalen Gesichtspunkten nicht geben dürfte.

Menschen, die Angst haben, entscheiden sich oft für jenen Weg, der am wenigsten Veränderung mit sich bringt. Irrationaler Weise hoffen sie, dass sich dadurch nichts verschlimmert. Leider verbessert sich durch diese Einstellung auch nichts. Es bleibt die Frage, ob diese Strategie ihrem Unternehmen nützt.

Menschen suchen gerne nach Umgehungswegen: Sie berufen noch ein Meeting ein, befragen Kollegen und Bekannte, suchen nach weiteren Informationen. Sie werden wütend auf die Vorgesetzten, weil sie nicht entschieden haben. Sie wenden sich anderen „dringenden“ Aufgaben zu –  sie tun also alles, um den Zeitpunkt der Entscheidung hinauszuschieben.

Doch:

„Die Aufgabe von Führungskräften ist es, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie Konsequenzen dieser Entscheidungen nicht mehr voraussehen oder unmittelbar beeinflussen können.“

Das erfordert Mut, Tatkraft, Risikobereitschaft. Angst und Unsicherheit haben keinen Platz.

Unsicherheit ist ein Gefühl, das in den letzten Monaten besonders intensiv in unserer Gesellschaft spürbar ist.  Die Strategien, wie Menschen mit diesem Gefühl umgehen, sind so vielfältig wie unwirksam:

Herrscher verwenden immer grausamere Waffen gegen das eigene Volk. Registrierkassen sollen Unmengen an Geld in die leere Staatskasse spülen. Unternehmen strukturieren jede Arbeitsminute ihrer Mitarbeiter. Mitarbeiter meinen sich durch 60 Wochenarbeitsstunden und mehr unentbehrlich zu machen. Helikopter-Eltern ziehen unverdrossen ihre Kreise …

Je größer die Angst, desto geringer das Vertrauen. Je geringer das Vertrauen, desto höher die Kosten für Kontrolle und Regulierung. Je höher diese „Steuer für fehlendes Vertrauen“, desto größer die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, desto weniger Investitionen, desto weniger Innovationen, desto mehr Stillstand. Mehr Konkurse, mehr Arbeitslose, weniger Einkommen, mehr Angst. Eine Spirale, die sich nach unten dreht.

Angst hat viele Formen. Die Angst vor dem Chaos (Kontrollverlust) verbrüdert sich mit der Angst vor finanziellem Verlust, Jobverlust und der Angst vor Kritik oder Versagen. Die Angst, Wählerstimmen zu verlieren mag hier fast kleinlich erscheinen, letztendlich ist sie aber eine Form der Existenzangst, einer Grundangst, auf  die sich alle anderen Ängste in letzter Konsequenz zurückführen lassen.

Wir beobachten folgende Ausweichmechanismen in der Gesellschaft:

  • Die angestrebte Veränderung so klein wie möglich halten,
  • den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen,
  • in Scheinaktivitäten zu verfallen,
  • die Angst nach außen projizieren und irgendetwas/irgendjemanden bekämpfen (anstatt die eigene Angst),
  • nach „einfachen“ Lösungen suchen oder diese propagieren.

Entscheidungen, die aus Angst getroffen werden, stellen sich im Nachhinein oft als unwirksam oder gar falsch heraus. Angst ist, historisch belegt, ein schlechter Ratgeber.

„Manche Leute ziehen die Sicherheit des Elends dem Elend der Verunsicherung vor.“
Virginia Satir

Die Gesellschaft befindet sich in einem so genannten „Systemsog“: je mehr Menschen Angst und Unsicherheit verspüren, desto weniger klare Entscheidungen werden getroffen. Immer mehr Menschen sitzen wie das sprichwörtliche Kaninchen hypnotisiert vor der Schlange. Diese „Schlange“ weist auf einen individuellen Prozess in jedem Menschen hin. Dieser kann nicht im Außen sinnvoll bekämpft oder gelöst werden.

Sicherheit ist ein Gefühl, das nur im Inneren eines Menschen entsteht. Sie ist nicht durch den subjektiven Besitz von z. B. mehr Geld, einem höheren Zaun oder der lückenlosen Überwachung von etwas oder jemandem zu gewinnen. Sie wird durch die Gewissheit der Selbstwirksamkeit genährt, durch Bewusstheit über eigene Gefühle und der Widerstandsfähigkeit gegen die Verführung, den einfachsten Weg zu suchen oder in Scheinaktivitäten zu verfallen.

„Angst essen Seele auf“
somalisches Sprichwort

Wie können Coaches, BeraterInnen und Balance KinesiologInnen® dieser Sogwirkung aus Unsicherheit und Angst in ihrer Tätigkeit entgegenwirken?

Antwort gibt eine der wichtigsten Lerneinheiten in der Coaching-Ausbildung: Nur derjenige ist in der Lage, etwas im System zu verändern, der eine andere Haltung einnimmt als das System. Der sich dem Systemsog entzieht, erkennt, was dem System fehlt und bewusst eine Gegenbewegung einleitet, indem er jene Qualität ins System einbringt, die fehlt.

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“
Albert Einstein

An der BALANCE Akademie ausgebildete Coaches, BeraterInnen und KinesiologInnen sind aufgefordert, in sich das Gefühl von (Selbst)Sicherheit, (Selbst)Vertrauen, Lebensfreude und Tatkraft zu stärken, indem sie ihren Fokus darauf legen. Sie sind aufgerufen, eigene Gefühle wahrzunehmen, anzuerkennen und – wenn nötig – mit den erlernten Methoden zu verändern.

Nur so können sie Impulsgeber, Begleiter und Unterstützer für ihre Kunden sein und dabei helfen,  Entscheidungen abzusichern, Risiken zu minimieren, aus der Hypnose von blockierenden Gefühlen auszubrechen.

An Coaches dieser Qualität wird es in den nächsten Jahren einen sehr hohen Bedarf in Unternehmen, Gesellschaft und Politik geben.