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Human resources

54 Jahre Theorie Y – alles für die Katz‘?

Ich hatte diese Woche das Vergnügen, mich in einem interessanten Telefongespräch mit einem Unternehmer über Philosophien zum Thema Unternehmens- und MitarbeiterInnen-Führung auszutauschen und ein Gespräch zu führen, das möglicherweise das Potenzial hat, sämtliche Managementtheorien der heutigen Zeit und das heute weitläufig akzeptierte Bild vom Menschen im Unternehmenskontext in seinen Grundfesten zu erschüttern.

Es fing alles damit an, dass ich einen Kleinunternehmer kontaktierte und ihm unseren neuen Bildungskatalog vorstellen wollte.

Vermutlich um meine wertvolle Zeit nicht zu vergeuden, vielleicht aber auch aus Liebe zur Ehrlichkeit setzte er mich sogleich davon in Kenntnis, dass „jeder Cent, den er in seine MitarbeiterInnen investierten würde, verlorenes Geld sei und jeder Unternehmer, der dies täte, nicht recht bei Sinnen sei“. Mir wurde bei dieser Aussage zwar relativ schnell klar, dass die Balance Akademie in naher Zukunft voraussichtlich nicht für dieses Unternehmen tätig werden würde, da ich aber durchaus eine offene, und Meinungen anderer Menschen sehr aufgeschlossene Person bin, entschied ich, mir seine Philosophien anzuhören. Ich fragte ihn deshalb, ob er denn nicht auch der Meinung wäre, dass gut ausgebildete MitarbeiterInnen und ein Team, das gut zusammenarbeitet, eine bessere Leistung und besseren Output erbringen und zielgerichteter auch im Sinne des Unternehmens agieren würden?

Allem Anschein nach imponierte ihm dieser Gedanke nicht recht, denn er wusste sofort, wie er kontern musste, um das von mir Gesagte zu entkräften.

Er meinte, „dass genau das soeben Beschriebene das Worst-Case Szenario einer jeden Führungsperson sei – Menschen unter ihnen, die zusammenhalten und sich gegen den Chef zusammentun“. Das Prinzip müsse sein, „nach oben zu kriechen und nach unten zu treten“. Zitat: „Ich forciere in meinem Team bewusst und aktiv Konflikte. Was ich bei mir im Unternehmen brauche, um meine Mitarbeiter zu kontrollieren, ist Konkurrenzkampf und Neid, nicht Zusammenhalt. Das ist es, was ein Unternehmen braucht. Das ist Realität.“

Man könnte es Idealismus nennen, möglicherweise auch aus purer Naivität oder Sturheit heraus, nahm ich den letzten Funken Hoffnung, der mir noch blieb und versuchte in einem verzweifelten Anlauf, ihm die Sicht der Welt – so wie wir sie an der Balance Akademie sehen und leben – schmackhaft zu machen: „Es gibt aber auch unzählige Unternehmen, die eine ganz andere Realität leben, ihre MitarbeiterInnen fördern und damit sehr erfolgreich sind. Und was sagen Sie zu den MitarbeiterInnen, die Ihr Unternehmen als Partner im Berufsleben sehen und gerne im Team und für Ihren Arbeitgeber arbeiten und Höchstleistungen für das Unternehmen bringen?“

„Das sind doch alles nur Theorien, die einer Prüfung nicht standhalten. Ich bin nun seit 45 Jahren selbstständig und habe 6 Leute, die für mich arbeiten. Und ich kann Ihnen nur eines sagen. Man muss seine Angestellten als Gegner sehen und so hart wie möglich gegen Sie vorgehen. Das ist das Einzige, das funktioniert.“

Ich beschloss, an diesem Punkt das Gespräch zu beenden und ging anschließend kurz in mich, um das Gehörte zu verarbeiten und zu reflektieren. Vielleicht, so dachte ich, waren sämtliche Theorien und Inhalte diverser Psychologie- und Managementlehren in den vergangenen Jahrzehnten in die komplett falsche Richtung gelaufen. Möglicherweise war der Mensch in der Tat böse und die Welt schlecht. Vielleicht sollten wir die Theorie Y wirklich von Bord werfen und uns wieder unseres Ursprungs besinnen und zurückkehren zum „guten Alten“, zum „Bewährten“, zur Theorie X des Menschen und des Taylorismus in seiner strengsten und konsequentesten Form, wo der Mensch durch Strafandrohung zur Arbeit gezwungen werden muss und nur unter genauester Anführung und Kontrolle Arbeitsleistung erbringt.

Doch wäre es nicht traurig und schrecklich, in einer solchen Welt zu leben? Der Mensch zum Produktionsfaktor degradiert und auf dieselbe Stufe gestellt neben Kapital und Boden, seine Daseinsberechtigung erlangend einzig und allein durch die Ausbeutung seiner Arbeitsressource?

Ich für meinen Teil bleibe dann doch lieber in meiner – möglicherweise auch etwas naiven, aber zumindest schönen – Welt, wo der Mensch noch zählt und viele Unternehmen in die Weiterbildung und das Wohlbefinden ihrer MitarbeiterInnen investieren. In einer Welt, wo 1 + 1 nicht zwangsläufig im Kampf enden muss, sondern sogar mehr als 2 ergeben kann.


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